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Viktoria Heyn | naturlandkind – „Hier bin ich einfach sehr verwurzelt“

Viktoria Heyn | naturlandkind – „Hier bin ich einfach sehr verwurzelt“

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Viktoria Heyn (28), ist gelernte Erzieherin und Sozialpädagogin, im Wendland aufgewachsen und betreibt seit 2017 den Instagram-Account @naturlandkind mit aktuell über 105.000 Follower*innen. Ein Gespräch über die Verbundenheit zur Region, das Thema Nachhaltigkeit, das Influencerin-Sein und manchmal eher etwas zweifelhafte Anfragen.

Zur Person
Name: Viktoria Heyn
Alter: 28 Jahre
Berufsbezeichnung/Job: Erzieherin & Sozialpädagogin, „nebenbei“ Influencerin

Wieder im Wendland seit: 2020                            
Aufgewachsen und wohnhaft: im Lemgow
Zur Schule gegangen in: Lüchow

Ausbildung/Studiengang: BBS Lüchow und Fernstudium an der IU Internationale Hochschule

Hi Viktoria, in unseren anderen Interviews fragen wir unsere Gesprächspartner*innen oft, ob sie sich eher als Stadt- oder Landkind fühlen… bei dir dürfte die Antwort recht klar sein!
Viktoria Heyn: Ja, ich bin voll das Landkind. Ich fühle mich hier wohl, mag die Natur und die Ruhe. Das Dorfleben ist schön, hier gibt’s eine Gemeinschaft, jeder hilft jedem.

So ein Stadt-Land-Gegensatzpaar wird ja oft bemüht, manchmal auch recht pauschal – was hältst du von dieser Art der Gegenüberstellung?
Viktoria: Ich finde die Gegenüberstellung schon recht interessant und vielleicht auch wichtig, für Menschen die gerne aufs Land ziehen möchten und nicht so recht wissen, was sie dort erwartet. Aber pauschalisieren kann man das nicht, denn für den einen kann es ein Nachteil sein und für den anderen ein Vorteil. Die Menschen sind eben sehr individuell.

Bitte beschreib‘ uns doch kurz wo und wie du aufgewachsen bist – und ist dir etwas besonders in Erinnerung geblieben?
Viktoria: Ich bin in einem kleinen Dorf auf einem Bauernhof im Lemgow aufgewachsen. Wir sind eine große Familie und waren früher drei Generationen im Haushalt. Ich habe drei Geschwister und unser Alter trennt uns nur um wenige Jahre. Wir hatten eine richtig schöne Kindheit, waren viel draußen, waren sehr kreativ und einfallsreich, haben viele lustige Dinge gemacht. Wenn ich an meine Kindheit zurückdenke, bin ich einfach nur glücklich!

Klingt schön! Wo bist du dann nach dem Schulabschluss hin?
Viktoria: Nach meinem Schulabschluss habe ich erstmal die Ausbildung zur Erzieherin gemacht. Ich wollte zwar immer weg, am liebsten nach Berlin, aber war dann doch noch nicht bereit und hatte keine wirkliche Perspektive. Nach meiner Ausbildung habe ich erstmal in einem Kindergarten hier im Wendland gearbeitet und später in einer Notunterkunft für Geflüchtete. Dieser Arbeit hat mich dann mit einem weiteren Jobangebot nach Celle geführt. Das war gut, um einfach mal rauszukommen und das Kleinstadtleben kennenzulernen.

Und warum bist du wieder zurück in Wendland gekommen?
Viktoria: Ehrlich gesagt bin ich erstmal zurückgekommen, um die letzten Module meines Fernstudiums zur Sozialarbeiterin abzuschließen und in Ruhe meine Bachelorarbeit zu schreiben. Ich habe in den letzten Jahren neben meiner Arbeit als Erzieherin in einer Grundschule im Landkreis Celle und der Arbeit auf meinem Instagram Account „naturlandkind“, vier Jahre im Fernstudium Soziale Arbeit studiert. Das war eine stressige Zeit, daher habe ich mir im letzten Semester mehr Zeit fürs Studium gegönnt und meinen Arbeitsvertrag beendet. Die Entscheidung, ob der Umzug ins Wendland für immer ist, habe ich mir aber offengelassen. In den letzten Monaten war ich hier auf Jobsuche, habe aber leider keine passende Stelle gefunden, daher verlasse ich den Landkreis zum Jahreswechsel nochmal. Irgendwann werde ich aber fest zurückkommen, denn hier bin ich einfach sehr verwurzelt.

Hat es sich hier seit deinen Kindertagen verändert?
Viktoria: Ja es hat sich viel verändert. Als wir im Jugendalter waren, gab es unserer Meinung nach schon kein großes Angebot, also Veranstaltungen, Partys und Bars. Wir sind mittlerweile aber froh, dass es überhaupt etwas gab, denn das Angebot ist in den letzten Jahren immer geringer geworden. Das vermisse ich etwas, denn so trifft man sehr wenige Menschen bzw. oft die gleichen. Dazu trägt aktuell aber auch die Corona-Situation bei.

Das stimmt. Fehlt dir manchmal sonst noch etwas?
Viktoria: In der Stadt ist man schnell überall, entweder zu Fuß oder mit dem Fahrrad. Noch kurz etwas Einkaufen, zum Bäcker, Schwimmen gehen etc. Auf dem Land benötige ich für viele Aktivitäten das Auto. Zum Einkaufen fahre ich 15km, deshalb muss ich hier alles gut planen.

Du hast 2017 den schon erwähnten Instagram-Account @naturlandkind gestartet, der sich thematisch unter anderem mit Do-It-Yourself (DIY) und einer nachhaltigen und plastikfreien Lebensweise auseinandersetzt.  Wann hast du begonnen dich für diese Themen zu interessieren?
Viktoria: Ich konnte mich schon immer für DIY-Projekte begeistern und bin mit vielen Dingen, die ich auf meinem Account zeige, aufgewachsen: Gartenarbeit, Backen und täglich frisch Kochen. In meiner Schulzeit habe ich schon darauf geachtet und angefangen. Ich habe z.B. mal eine Dokumentation über Mikroplastik im Wasser gesehen und daraufhin nur noch Wasser aus Glasflaschen getrunken. Ab 2016 habe ich mich dann immer mehr mit der Plastikthematik auseinandergesetzt, zum einen durch das Leben in der Stadt, aber auch durch die vermehrte mediale Aufmerksamkeit auf das Thema. Damals gab es noch keine Instagram Accounts, die sich intensiv mit solchen Themen und vor allem DIY auseinandergesetzt haben und deshalb habe ich dieses Projekt ins Leben gerufen.

Wie lässt sich so ein nachhaltiges Leben konkret im Wendland umsetzen: Was sind Vorteile, muss man hier und da auch Abstriche machen?
Viktoria: Ja, man muss immer irgendwo Abstriche machen. Auf dem Land benötige ich viel mehr das Auto. Die Vorteile sehe ich aber darin, dass man auf dem Land an der Quelle sitzt. Hier werden viele Produkte produziert und Regionalität ist für mich ein ganz wichtiger Faktor beim Thema Nachhaltigkeit. Je regionaler die Produkte, desto besser. Hier habe ich auch die Möglichkeit mich in den Sommermonaten fast ausschließlich aus dem eigenen Garten zu ernähren.

Triffst du in der Region auf viele Gleichgesinnte?
Viktoria: Ja, hier leben viele verschiedene Menschen, die sich in verschiedenen Bereichen für ein nachhaltiges Leben engagieren und sehr inspirierend sind.

Dein Motto ist „Inspirieren statt Missionieren“ – was sehr sympathisch ist, gerade bei diesem Thema. Warum glaubst du, dass das ein „besserer“ Ansatz ist?  
Viktoria: Ich glaube, dass es ein guter Ansatz ist, weil Menschen sich nicht gerne etwas vorschreiben lassen. Durch das Zeigen und Vorleben von Veränderungen kann man Menschen viel mehr motivieren und begeistern, als wenn man mit den Fingern auf sie zeigt und die Fehler hervorhebt.

Erfährst du manchmal auch Kritik für deine Beiträge?
Viktoria: Ich erfahre in der Regel nicht so viel Kritik, was aber auch daran liegt, dass ich nicht alles auf meinem Account teile und man einfach nur einige Ausschnitte aus meinem Leben sieht. Oft sind es leider die positiven Ausschnitte, ich versuche aber auch mal Fehler zu zeigen oder eben Dinge, die nicht so perfekt laufen. Denn es soll ja nicht der Eindruck entstehen, ich würde perfekt nachhaltig leben. Kritik kommt oft von Menschen die ausschließlich vegan leben und es nicht ok finden, dass wir Hühner und Tiere halten und deren Produkte nutzen, wie z.B. die Eier im Kuchenteig. Die Kritik ist dabei oft so formuliert, dass es nicht ermutigend ist, daher mein oben genanntes Motto.

Und wie gehst du auf Einwände ein, dass so ein Leben ja ein Luxus sei, den sich viele nicht leisten können (oder wollen)?
Viktoria: Es kommt immer drauf an, denn in vielen Bereichen kann man durch diesen Lebensstil Geld sparen. Wer regionale und saisonale Lebensmittel auf dem Markt oder im Hofladen kauft, kann in der Regel Geld sparen. Weitere Beispiele: Leitungswasser ist günstiger, Ökostrom ist zum Teil ebenfalls günstiger, nachhaltige Kleidung kann länger halten als Fast Fashion.

Hat sich das allgemeine Bewusstsein für das Thema Nachhaltigkeit über die letzten Jahre verändert? Was ist heute anders als noch vor zehn Jahren?
Viktoria: Ja, ich finde schon, dass sich in den letzten Jahren eine große Entwicklung gezeigt hat, vor allem in meiner Altersgruppe aber auch bei den jüngeren Menschen ist das Thema populär. Insbesondere durch Fridays for Future, aber auch die Familienplanung machen sich immer mehr Menschen Gedanken über ihren Lebensstil. Die Klimakrise wird zum Teil immer greifbarer, Wetterextreme, Ernteausfälle, Überflutungen etc. Ich glaube vor 10 Jahren war die Thematik noch nicht so weit verbreitet und vor allem spürbar wie aktuell.

Dein Insta-Kanal hat aktuell über 105.000 Follower*innen. Du postest mehrmals in der Woche Bilder und Videos, z.B. aus eurem Garten oder zeigst Landschaftsaufnahmen, eigene Rezepte, machst eigene Seifen und vieles mehr – die Bilder und Texte wirken dabei immer sehr ästhetisch und authentisch!
Viktoria: Vielen Dank!

Hast du gezielt versucht, deine Reichweite zu vergrößern… oder ist das einfach irgendwie so passiert?
Viktoria: Als ich den Account gestartet habe, habe ich damit eigentlich nicht das Ziel verfolgt damit mal wirklich groß zu werden. Ich habe es als Motivation gesehen, mich noch intensiver mit diesen Themen zu beschäftigen und dabei meine Erfahrungen und Alternativen zu teilen. Das kam ziemlich gut an und der Account ist dementsprechend schnell gewachsen. Irgendwann habe ich natürlich gedacht, es wäre schön noch mehr Follower*innen zu erreichen. Um zu wachsen muss man täglich Inhalte teilen und aktiv sein und das mache ich bis heute.

Machst du dir mit so einem großen Publikum bei allen Beiträgen intensiv Gedanken darüber, wie ein Beitrag ankommt oder wirken könnte? Und ist es nicht anstrengend, so regelmäßig neue Inhalte zu finden?
Viktoria: Ja, ich mache mir hin und wieder Gedanken bevor ich etwas teile. Grundsätzlich teile ich einfach meine Aktivitäten, die ich in der Woche mache und nehme meine Follower*innen mit in den Garten, in die Natur oder bei DIY Projekten. Ich finde es nicht anstrengend, weil die meisten Inhalte zu meinem Alltag gehören und ich beim Fotografieren und Filmen mittlerweile sehr routiniert bin.

Als Influencerin machst du auch Werbung für bestimmte Produkte – Wie wählst du aus, wofür du einen Beitrag erstellst?
Viktoria: Ich erhalte fast täglich Anfragen in meinem E-Mail Postfach und wähle Werbung wirklich sehr behutsam und bewusst aus. Zum einen, weil ich diesen Account nicht hauptberuflich betreibe und nicht finanziell abhängig davon bin, zum anderen weil ich authentisch bleiben möchte und nur dass empfehle, was ich wirklich gut finde. Ich nehme nur Werbung an, die zu mir und meinem Account passt und für Produkte, die ich wirklich verwende und benötige.

Und bekommst du manchmal auch eher zweifelhafte Anfragen von Firmen, die eigentlich nur „green washing“ betreiben wollen?
Viktoria: Ja, ich hatte schon sehr viele zweifelhafte Anfragen in meinem Postfach. Einmal sollte ich für eine PR-Kampagne nach Amerika fliegen, um dort am Strand Plastikmüll zu sammeln und dementsprechend Werbung für ein Unternehmen zu machen. Das hat für mich nichts mit Nachhaltigkeit zu tun und einen Langstreckenflug für drei Tage Aufenthalt kann ich nicht mit meinen Prinzipien und Werten vereinbaren.

Unfassbar… Kannst du dir vorstellen, Instagram irgendwann mal hauptberuflich zu machen – oder würde dir dann etwas fehlen?
Viktoria: Wie bereits erwähnt habe ich im letzten Jahr meine Festanstellung aufgegeben, um mein Studium inklusive Bachelorarbeit in Ruhe zu beenden. In dieser Zeit und auch die letzten drei Monate war ich komplett selbstständig. Grundsätzlich ist es möglich davon zu leben, aber das ist nicht das, was mich wirklich erfüllt. Ich gehe einfach sehr gerne zur Arbeit, mag es routinierte und feste Arbeitszeiten zu haben und im realen Kontakt mit Menschen und vor allem Kolleg*innen zu sein. Das fehlte mir in der Zeit sehr und deshalb freue ich mich, ab Januar 2022 wieder eine feste Arbeitsstelle zu haben. Der Instagram Account soll ein Nebenjob bleiben und Spaß machen.

Du hast auch schon zwei Bücher veröffentlicht. Wie kam es dazu?
Viktoria: Mein erstes Buch „Besser naturbewusst leben“ habe ich 2019 geschrieben und veröffentlicht. Der Verlag hat mich mit der Idee angefragt und ich habe die Gelegenheit angenommen, mein Studium ein paar Monate pausiert und mich diesem Projekt gewidmet. 2020 habe ich mit einer Freundin das zweite Buch „Besser naturbewusst leben mit Kindern“ geschrieben. Sie studiert ebenfalls Soziale Arbeit und arbeitet in einer Kindertagesstätte und kam mit dieser Idee auf mich zu.

Das alles klingt nach regelmäßig vollgepackten Tagen. Was machst du um mal abzuschalten?
Viktoria: Ja, in den letzten Monaten konnte ich ein wenig durchatmen und habe mir diese freie Zeit auch gegönnt. Nach vier Jahren Dauerstress durch Studium, Festanstellung in einer Schule und den Instagram Account brauchte ich diese Zeit und habe es gesundheitlich auch gemerkt. Um abzuschalten, gehe ich regelmäßig laufen, dabei kann ich meinen Stress abbauen und den Kopf freibekommen. Außerdem bin ich viel Draußen, in der Natur und fahre Fahrrad.

Hast du einen Lieblingsplatz in Lüchow-Dannenberg?
Viktoria: Ich kann mich nicht entscheiden und festlegen, denn es gibt viele schöne Plätze. Ich bin gerne in der Nemitzer Heide, vor allem zur Blütezeit im August/September ist es dort besonders schön. Im Sommer fahre ich abends gerne an den Arendsee und genieße dort den Sonnenuntergang.

Was denkst du sind die großen kommenden Herausforderungen für unsere Gesellschaft und im Speziellen für die Landbevölkerung?
Viktoria: Als große Herausforderung sehe ich aktuell das harmonische Zusammenleben und der Zusammenhalt als Gesellschaft. Nur als eine Gemeinschaft können wir die aktuellen Krisen überstehen und besiegen.

Vielen Dank für deine Zeit!

Viktorias Instagram-Kanal findet ihr unter:
www.instagram.com/naturlandkind/

Ihre beiden Bücher hier:
https://verlagshaus24.de/besser-naturbewusst-leben
https://verlagshaus24.de/besser-naturbewusst-leben-mit-kindern

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