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INTERVIEW | "Weil das Wendland einfach meine Heimat ist"

INTERVIEW | "Weil das Wendland einfach meine Heimat ist"

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Melanie Bader (37) arbeitet seit zweieinhalb Jahren für Siemke & Co. Brücken- und Ingenieurbau in Breese in der Marsch. Im Interview spricht Sie über Ihren Werdegang, ihren beruflichen Abstecher nach Hamburg – und darüber, warum es im Wendland doch viel schöner ist.

Name: Melanie Bader
Alter: 37
Berufsbezeichnung: Buchhalterin
Firma: SBI Bau, Standort: Breese
Wieder im Wendland seit: 1. Januar 2015
Aufgewachsen in: Dannenberg
Wohnt in: Lüchow
Wo zur Schule gegangen? Realschule - Bernhard Riemann in Dannenberg
Gelernt/Studiert: Steuerfachangestellte

Hallo Melanie, wie lange hast du heute Morgen zur Arbeit gebraucht?
Melanie: Ungefähr 20 Minuten, eine Strecke zur Arbeit sind etwa 20 km. Man braucht hier definitiv einen Führerschein, den Weg zur Arbeit täglich mit dem Fahrrad zu fahren wäre auf Dauer schon sehr anstrengend, vor allem im Winter. Aber: In Hamburg hab ich für nicht mal die Hälfte des Weges meistens noch länger gebraucht.

Also warst du auch mal länger weg aus dem Landkreis! Aber erzähl von vorn – was war dein Plan nach der Schule?
Ich wusste, dass ich immer ins Büro wollte. Eher durch Zufall bin ich damals an eine Lehre beim Steuerberater in Salzwedel gekommen und jeden Tag von Dannenberg gependelt. Ich war damals 16, da fand ich mich für’s Umziehen in eine andere Stadt noch etwas jung.

Verständlich. Wie ging es weiter?
Als ich 1999 mit der Ausbildung fertig war, bin ich nach Hitzacker zu einem anderen Steuerberater gewechselt. Dort habe ich 13 Jahre gearbeitet. Mit 32 hab ich dann das Bedürfnis gespürt, nochmal aus dem Wendland rauszukommen – und es ging nach Hamburg.

Das nervenaufreibende Abenteuer in der sagenumwobenen Großstadt!
Nicht ganz, zwei Jahre als Lohnbuchhalterin in einem dort ansässigen Unternehmen. Allgemein ist es zwar schön in Hamburg und, obwohl die Arbeit manchmal stressig war und an die Substanz ging, es hat auch Spaß gemacht, dort zu arbeiten.

Aber?
Aber das ganze Leben dort ist einfach anders als auf dem Land, gerade, wenn man hier aufgewachsen ist. Es ist viel schnelllebiger, es kennt nicht jeder jeden (was Vor- und Nachteile hat) und es war nie richtig meine Heimat. Ich bin immer gerne in den Landkreis zurückgekommen.

Und dann irgendwann einfach wieder da geblieben.
Genau, zurück in die Heimat, auch aus privaten Gründen. Mein Partner stammt ebenfalls von hier und wir wollten gern zusammenziehen, ich wäre allerdings auch so höchstens ein Jahr länger geblieben. Und so habe ich 2014 angefangen, mich zu bewerben. Größtenteils mit Initiativbewerbungen, auch auf ein bis zwei Ausschreibungen habe ich geantwortet, insgesamt waren es vielleicht sechs oder sieben Bewerbungen.

So bist du dann bei SBI Bau gelandet?
Ja, aber eigentlich auch durch Zufall. Auf dem Sportplatz wurde gefragt, ob nicht jemand eine Buchhalterin kennt, man würde gerade suchen. „Ja, meine Nichte, die will zurückkommen.“ – Dann hatte ich einen Tag später mein Vorstellungsgespräch und zwei bis drei Tage später kam die Zusage.

Das klingt etwas nach glücklicher Fügung – war es insgesamt schwierig eine Stelle zu finden?
Ich hatte am Ende drei Angebote und musste mich entscheiden. Ich hatte also wirklich keine Probleme und konnte auswählen, was am ehesten meinen Vorstellungen entsprach:  Nicht zurück ins Steuerbüro, sondern für eine Firma tätig sein. Zudem werden gerade hier im Landkreis Steuerfachangestellte regelmäßig gesucht. Denn es ist natürlich auch ein Beruf, der vorwiegend von Frauen ausgeübt wird – und Frauen werden schwanger – sodass in der Regel immer wieder Stellen zu besetzen sind.

Was gefällt dir an der Arbeit bei SBI Bau?
Die Vielseitigkeit. Ich bewege mich zwischen Buchhaltung, Lohn und Kontakt mit den Arbeitnehmern, das finde ich gut. Eine abwechslungsreiche Tätigkeit und dabei trotzdem eine familiäre Atmosphäre. Außerdem nehmen sich die Chefs noch Zeit für die Arbeitnehmer und Probleme werden nicht einfach abgetan.

Und was am Wendland allgemein?
Das Miteinander auf den Dörfern. Der Zusammenhalt, der da noch besteht. Wenn jemand ein Problem hat, hilft man sich untereinander. Wir sind viel auf den Dörfern und man kriegt einfach mit, wie familiär der Umgang ist. Und wenn jemand neu dazu kommt, nehmen sie ihn oder sie mit offenen Armen auf. Außerdem ist die persönliche Beratung zum Beispiel im Einzelhandel etwas, das nicht alle, aber doch einige Leute sehr zu schätzen wissen. Hier kriegt man noch Gesichter zu sehen und der Kunde ist nicht einfach nur eine „Nummer“.

Also vor allem das Zwischenmenschliche.
Ja! Und die Natur ist natürlich auch ein Grund. Ich muss sagen, in Hamburg habe ich viel mehr Kopfschmerzen gehabt, weil die Luft anders ist. Als ich wieder hier war wurde die Haut besser und die Kopfschmerzen weniger. Man hat das wirklich gemerkt. Und wenn man mal vorhat, Familie zu planen, ist es einfach hier viel besser. Klar herrscht auch auf dem Land Kriminalität, aber hier kann man sein Kind noch mit gutem Gefühl draußen spielen lassen.

Hat sich das Wendland denn seit deinen Kindertagen verändert?
Es gibt mittlerweile Deichmann und ein paar andere Ketten hier. Es gab damals zum Beispiel auch keinen McDonalds – ob das nun Vor- oder Nachteil ist, sei dahin gestellt. Aber es zeigt, dass sich schon viel getan hat. Was schade ist: es gibt viele Veranstaltungen von früher nicht mehr und auch viele der Discos haben zugemacht. Gerade für die Jugendlichen, ich habe meine Sturm und Drang-Zeit hinter mir.

Kommt man hier finanziell besser über die Runden als in der Stadt?
Wenn ich den Job in Hamburg mit dem hier vergleiche, hatte ich im Endeffekt nicht viel mehr übrig. Die Wohnung war dort wesentlich teurer und bei mir kamen durch meine Fahrten in das Wendland die entsprechenden Spritkosten dazu. Mir ist auch aufgefallen, dass die Lebensmittel bei den Supermärkten oder das Essengehen oft etwas teurer waren. Das sind zwar Kleinigkeiten, aber so erklärt sich vielleicht, warum die Unterschiede am Ende so gering sind.

Bist du glücklich mit deinem „Schritt zurück“?
Insgesamt: Es war für mich die richtige Entscheidung einerseits wegzugehen – für meine persönliche Entwicklung – aber es war zu 150 Prozent auch die richtige Entscheidung wieder zurückzukommen. Weil das Wendland einfach meine Heimat ist. Und es kann zur Heimat werden, auch für Fremde.


Über das Unternehmen

Name:  Siemke & Co. Brücken- und Ingenieurbau GmbH
Standorte:  Salzwedel, Dannenberg, Hamburg, Celle
Mitarbeiterzahl:  ca. 80 Mitarbeiter
Webseite:  www.sbibau.de
Offene Stellen:  www.sbibau.de/79.mitarbeiter.html
 

  • Aktuell beschäftigen SBI Bau ca. 80 Mitarbeiter und wickelt im Umkreis von ca. 300 km um ihren Betriebssitz Aufträge im Wert von ca. 16 Mio Euro jährlich ab. Schwerpunkt der Tätigkeitsfelder ist neben den Aufgaben im Brücken- und Ingenieurbau zunehmend auch der Industrie- und Gewerbebau. Aufträge in der Bauwerksinstandsetzung und im Gussasphaltbau gewinnen immer mehr an Bedeutung.
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