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Nico Brettschneider – „Kindern einen guten Lebensort zum Aufwachsen bieten“

Nico Brettschneider – „Kindern einen guten Lebensort zum Aufwachsen bieten“

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Nico Brettschneider (28) aus Hamburg ist Bereichsleiter für Lüchow-Dannenberg beim Kinderwelt Hamburg e.V., der in diesem Jahr zwei neue Kitas in der Region eröffnet. Im Interview berichtet er über den aktuellen Stand, erklärt das Konzept des Vereins und gibt Einblicke in die Unterschiede bei der Kinderbetreuung auf dem Land und in der Stadt.

ZUR PERSON
Name: Nico Brettschneider
Alter:  28 Jahre
Berufsbezeichnung/Job: Bereichsleiter Lüchow-Dannenberg
Firma: Kinderwelt Hamburg e.V.
Aufgewachsen in: Hamburg
Wohnhaft in: Hamburg
Zur Schule gegangen in: Hamburg
Ausbildung/Studiengang: Erzieher, Musikpädagoge, Natur-Erlebnis-Pädagoge

Hi Nico, Ihr habt mit eurem Verein Kinderwelt Hamburg e.V. den Zuschlag für den Betrieb einer Kita in Trebel und Kiefen erhalten – und wolltet bereits seit längerem hier bei uns Fuß fassen. Warum? Was reizt euch an der Region?
Nico Brettschneider:
Wir fühlen uns dieser Region schon seit langem eng verbunden, auch weil wir einen Großteil unserer Bio-Lebensmittel von hier beziehen. Es ist uns ein Anliegen, unseren Teil dazu beizutragen, die dörflichen Strukturen in der Region zu erhalten, vielleicht sogar zu stärken. Deshalb freuen wir uns, dass unsere Idee, eine Brücke von Hamburg ins Wendland zu schlagen hier auf so viel Offenheit trifft.

Inwiefern wirkt sich die aktuelle Situation rund um das Corona-Virus auf eure Pläne aus?
Das Corna-Virus bringt natürlich eine gewisse Unsicherheit mit sich. Das betrifft zum Beispiel mögliche Verzögerungen beim Bau der neuen Einrichtungen. Hierdurch wird die Personalplanung und ebenfalls die Planung von sämtlichen Eingewöhnungen der Familien erschwert. Nach meinem jetzigen Kenntnisstand stehen wir derzeit gut im Zeitplan und freuen uns auf hoffentlich zwei Eröffnungen im September 2020. Dann sollen die Kita Trebel und die Kita Kiefen starten.

Welche allgemeinen Hürden gab und gibt es auf eurem Weg ins Wendland?
Wir sind neu in der Region. Es war zum Teil schwierig hier Fuß zu fassen, da man uns nicht kannte. Das ist inzwischen überwunden. Auch die Rahmenbedingungen für unsere Arbeit sind anders. In Hamburg können wir unser pädagogisches Konzept problemloser baulich umsetzen. Hier war es für die Samtgemeinde wichtig, dass die Kitas, in die wir einziehen, später noch anders genutzt werden können – für den Fall, dass es einmal nicht mehr genug Kinder in den Dörfern geben sollte. Wir glauben zwar, dass das nicht passieren wird, aber natürlich mussten wir uns darauf einlassen.

Ihr betreibt bereits über 20 Kitas in Hamburg – was sind die wesentlichen Stadt-Land-Unterschiede bei der aktuellen Kinderbetreuungs-Situation?
Es ist vor allem eine Frage der Refinanzierung. In Hamburg haben Eltern ein Recht darauf, dass ihre Kinder fünf Stunden am Tag in einer Kita kostenlos betreut werden – und zwar von der Krippe bis zum Schuleintritt. Außerdem übernimmt die Stadt die Kosten für das Mittagessen. Hier in Niedersachsen müssen die Eltern das Essen grundsätzlich erstmal selber bezahlen. Die Betreuung von Elementarkindern ist zwar sogar bis zu acht Stunden am Tag beitragsfrei, dafür kann es richtig teuer werden, wenn man schon früher auf eine Betreuung angewiesen ist. Ein Krippenplatz ist schnell mehr als doppelt so teuer wie in Hamburg.

Worin unterscheidet ihr euch von anderen Einrichtungen – Was ist euer Konzept?
Wir arbeiten anders als viele andere Träger – nach dem Konzept der Offenen Pädagogik der Achtsamkeit. Bei uns gibt es zum Beispiel keine festen Gruppenräume, sondern Erfahrungs- und Erlebnisräume. Die Kinder entscheiden selbst, ob sie Zeit im Atelier, im Bewegungs- oder Rollenspielraum verbringen möchten. Wir nehmen die Meinung der Kinder sehr ernst und beteiligen sie an der Gestaltung ihres Alltags. Unsere Pädagoginnen und Pädagogen leisten anspruchsvolle Arbeit in dem sie die Kinder achtsam auf ihrem Lebensweg begleiten und Impulse geben. Wir finden es außerdem wichtig, dass Kinder unterschiedlichen Alters den Tag gemeinsam verbringen, arbeiten bilingual und haben in Hamburg sehr gute Erfahrungen damit gemacht. Außerdem gibt es bei uns nur Essen aus 100 Prozent kontrolliert ökologischem Anbau – und wir kochen selbst.

Was magst du persönlich am Wendland?
Ich treffe hier viele Menschen, die offen sind für neue Ideen – und viele, die ihren Traum leben. Auch das entschleunigte Tempo im Vergleich zur oft hektischen Stadt gefällt mir sehr.

Und soll es für dich selbst auch mal dauerhaft „aufs Land“ gehen?
Das weiß ich ehrlich gesagt noch nicht. Ich kann es mir auf alle Fälle gut vorstellen.

Stadt oder Land – Hast du eine Präferenz?
Ich bin Stadt-Land-Kind. Ich bin in der Stadt groß geworden und liebe die Natur. Deshalb genieße ich es auch sehr, dass ich jetzt sowohl in der Stadt als auch auf dem Land arbeiten kann.

Die Stadt bedient sich vieler ländlicher Ressourcen: frische Luft, Erholungsmöglichkeit, gute Lebensmittel, Schlafstätte für Pendler, Konsumenten und der Zuzug von jungen Leuten. Welchen Gewinn kann das Land aus städtischen Kontexten ziehen?
Die finanzielle Unterstützung der Eltern für Krippenkinder ist ein Beispiel. In Hamburg gibt es mehr etablierte Kita-Träger – diese Vielfalt bereichert. Ohnehin ist Vielfalt wahrscheinlich ein Schlüsselwort – viele Menschen auf engem Raum sind sicher eine Herausforderung, aber bringen eben immer auch ein großes Potenzial mit sich.

Was gefällt dir an der Arbeit bei Kinderwelt Hamburg?
Hier kann wirklich jeder mitgestalten, das schätze ich sehr. Mit meiner Arbeit unterstütze ich Familien dabei, die Kinderbetreuung, den oft stressigen Familienalltag und die Jobs der Eltern miteinander zu vereinbaren. Kindern einen guten Lebensort zum Aufwachsen zu bieten, das treibt mich an.

Wolltest du immer schon in der Kinderbetreuung arbeiten?
Nein. Nach der Schule wollte ich vor allem Musiker sein. Das habe ich vier Jahre lang auch gemacht – und nebenbei als Aushilfe in einer Kita gearbeitet. In der Zeit ist mir klar geworden, dass ich mich im Berufsfeld der Pädagogik am wohlsten fühle. Musik spielt trotzdem immer noch eine große Rolle für mich.

Sind zurzeit Stellen frei bei euch?
Zurzeit sind alle Stellen besetzt. Wir freuen uns aber immer über qualifizierte Mitarbeiter*innen und Bewerbungen!

 

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ÜBER KINDERWELT HAMBURG e.V.
Kinderwelt Hamburg e.V. gibt es seit 1992. Der Verein ist gemeinnütziger Träger der freien Kinder- und Jugendhilfe und betreibt in Hamburg 21 bilinguale Kitas sowie ein Bildungshaus mit Kita und Schule unter einem Dach. Außerdem kooperiert der Träger in der Ganztagsbetreuung mit vier Grundschulen und hat gerade eine Fachschule für Sozialpädagogik gegründet.

Mehr Infos unter: https://kinderwelt-hamburg.de/

 

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