Weihnachtspause!
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Julia Nagel – „Prototyp für eine Welt, in der wir leben wollen“

Julia Nagel – „Prototyp für eine Welt, in der wir leben wollen“

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Salderatzen ist mit weniger als 30 Einwohner*innen einer der kleineren Rundlinge im Wendland. Seit dem vergangenen Jahr sind hier drei neue Parteien zugezogen, das Projekt „Ein Ding der Möglichkeit“ ist eine davon. Und will das – über die Kreisgrenzen hinaus – bekannte Herrenhaus Salderatzen weiter entwickeln und mit neuen Ideen bespielen.

ZUR PERSON
Name: Julia Nagel
Alter:  41 
Berufsbezeichnung/Job: Kommunikationdesign, Projekt- und HR Management
In der Genossenschaft Vorstandsvorsitzende  und zuständig für Hospitality und Außendarstellung
Firma: Ein Ding der Möglichkeit eG
Aufgewachsen in: Paderborn
Wohnhaft in: Salderatzen
Zur Schule gegangen in: Freien Waldorfschule Schloss Hamborn
Ausbildung/Studiengang: Diplom Kommunikationsdesign
Kontakt: julia@moeglichkeit.org


Hi Julia, du bist Teil des Projektes „Ein Ding der Möglichkeit“ – Wer seid ihr (und wenn ja, wie viele)?
Julia Nagel: Wir sind vier Frauen, vier Männer und fünf Kinder und haben die letzten Jahre in Hamburg und Berlin gelebt. Wir sind ein interdisziplinäres Team, bestehend aus Strategie, Design, Handwerk, Projektmanagement, Wissenschaft und Kunst. Vor mehreren (zwei) Jahren haben wir angefangen, konkret nach einem Ort für unsere Ideen zu suchen. Im Februar 2020 haben wir dann zu Sechst die Genossenschaft gegründet, im Herbst kamen noch zwei weitere Genossenschaftsmitglieder dazu.

Und warum hat es euch ins Wendland verschlagen?
Gute Frage, das hat sich ehrlicherweise so entwickelt. Die „Berliner“ Fraktion hat lange Zeit in der Umgebung von Berlin nach einem geeigneten Ort gesucht, aber durch die Möglichkeit in Salderatzen den Hof übernehmen zu können, wurde das Wendland zum Wunschort. Wir sind alle sehr glücklich hier angekommen zu sein, weil wir alle das Gefühl haben, dass unsere Ideen von einem kreativen, nachhaltigen Ort in diesem Landstrich auf fruchtbaren Boden fallen.

Wie seid ihr auf die Immobilie aufmerksam geworden?
Zwei unserer Gründer haben vor ein paar Jahren auf dem Hof in Salderatzen geheiratet und wir haben hier alle zusammen ihre Hochzeit gefeiert. Bei der Abreise haben sie zum damaligen Besitzer Heinz Laing gesagt, er solle anrufen, wenn er jemals ans Aufhören denke. Zwei Jahre später war es dann soweit.

Und wie wollt ihr diese riesige Fläche und die Gebäude künftig nutzen?
Wir planen aktuell mit sechs Genossenschaftswohnungen, dazu das Gästehaus und weitere Tiny Houses für Gäste. Außerdem soll es ein Kreativ- und Innovations-Lab mit Werkstätten, Seminarraum, Veranstaltungs- und CoWorking-, Yoga- und/oder Sportraum geben, ergänzt um die schon vorhandene und viel genutzte Kultur- und Theater-Scheune sowie nachhaltige, regionale Gastronomie mit gesunder, überwiegend vegan/vegetarischer Küche.

Was ist für euch das Besondere an diesem geplanten Zusammenspiel aus Wohnen und Arbeiten?
Uns ist klar geworden, dass wir – mit einem wachsenden Umwelt- und Verantwortungsbewusstsein – uns zusammen tun müssen und Synergien nutzen wollen. Einerseits sind es die Vorteile einer Hofgemeinschaft, anderseits das berufliche Zusammenarbeiten an einer nachhaltigeren Form des Tourismus und der Regionalentwicklung, an einer umwelt-positiven Form der Gastronomie und einem innovativen Ansatz der Kreativwirtschaft.

Wie entstand die Idee zum Projekt?
Bei jedem von uns gab es eine individuelle Motivation, daraus sind die Ideen zu einem gemeinsamen Projekt entstanden. Geeint hat uns der Wunsch etwas Neues zu wagen, aus alten Strukturen auszubrechen und wieder eigeninitiativ tätig zu sein.

Ist das Projekt von der Immobilie entkoppelt oder untrennbar mit ihr verbunden?
Die letztendlichen Umsetzungsmöglichkeiten für unser Projekt wurden auf jeden Fall durch die Gegebenheiten, die der Hof Salderatzen 3 bietet, konkretisiert. Aber der grundsätzliche Projektgedanke ist nicht an einen bestimmten Ort gekoppelt.

Welche Herausforderungen gab es, bevor ihr die Immobilie in ihrer jetzigen Form erstehen konntet?
Am Anfang auf jeden Fall die Wahl einer Rechtsform. Bei einer Genossenschaft tauchen ganz schnell viele Fragen auf, wie z.B. wie treffen wir Entscheidungen, wer ist für was verantwortlich und wie organisieren wir uns. Ich bin zwar die Vorstandsvorsitzende der Genossenschaft, im Innenverhältnis haben wir die Arbeit aber gleichwertig in Verantwortungsbereiche aufgeteilt, für die jeweils zwei Personen zuständig sind.

Gab es weitere Hürden?
Ja, die nächste Herausforderung war die Finanzierung. Uns wurde schnell klar, dass es nicht ganz einfach sein wird, eine Bank zu finden, die ein genossenschaftlich organisiertes Projekt finanziert.  Und für den Umbau eines denkmalgeschützten Ensembles ist natürlich auch die Arbeit mit Architekten, Statikern und dem Bauamt sehr intensiv und manchmal sehr umfangreich.

Wie seid ihr diese ganzen Aufgaben angegangen?
Wir hatten fast alle unsere bisherigen Jobs aufgegeben, um das Pensum der Gründung überhaupt bewältigen zu können. Damals gab es noch nicht einmal einen unterschriebenen Kaufvertrag. Im Rückblick war die Menge der Herausforderungen, Unsicherheiten und die enorme Anforderung an die Flexibilität innerhalb unserer Gründergruppe enorm. Aber jetzt sind wir stolz diesen Weg gemeinsam bis hier hin gemeistert zu haben.

Und was liegt alles noch vor euch, bis der Hof in seiner geplanten Form genutzt werden kann?
Einerseits besteht die größte Herausforderung in jedem Selbst und somit auch in jedem Detail der oben genannten Vision. Für den Hof beginnt es bei der Reduktion und Wiederverwertung von Müll, über die transparente Kommunikation einer nachhaltigen Form des Tourismus an die Gäste bis hin zu guter Überzeugungsarbeit unseres Vorhabens beim Bauamt.

Wie wollt ihr dabei konkret vorgehen?
Zunächst haben wir die Gästezimmer renoviert und modernisiert. Bei der Gestaltung der Zimmer setzen wir beispielsweise auf Kooperationen mit Designer*innen und Gestaltern. Die Zimmer können so auch eine Inspiration für die Gäste sein, die dann die Produkte direkt bei uns oder den Designer*innen bestellen können. Wir haben uns außerdem vorgenommen, alle Prozesse unter dem Blickwinkel der Umweltverträglichkeit und Ressourcenschonung zu betrachten. Das fängt an bei der Erneuerung der Heizungsanlage, der Nutzung regionaler Rohstoffe für den Um- und Ausbau bis hin zur Entscheidung, dass wir die Bettwäsche in den Gästezimmern aus umwelttechnischen Gründen nicht mangeln.

Unfassbar viel, was es zu beachten zu geben scheint. Was habt ihr euch für einen Zeitplan gesteckt?
Aktuell befindet sich der Seminarhof in einer Art Übergangsjahr. Trotz der aktuellen Situation durften wir bisher einige Seminar- und Tagungsgruppen empfangen und konnten den Ort als Workation Retreat für Freiberufler und Kreative öffnen.

Und langfristig?
Der Plan ist ab Oktober dieses Jahres mit dem Bau einer neuen umweltfreundlichen Heizung zu starten sowie mit dem Umbau des ehemaligen Kuhstalls zu einem Kreativ- und Innovationslab mit Werkstätten und Seminarräumen und dem Ausbau der Genossenschaftswohnungen zu beginnen.

Viel Erfolg und gutes Gelingen dabei! Zum Schluss noch: ein Ding der Möglichkeit – woher der Name?
Es gab im Vorfeld sehr viele Namensvorschläge. Deswegen haben wir im Laufe der Zeit nach einem Namen gesucht, unter dem sich viele Ideen vereinen lassen und der die Freiheit zur Weiterentwicklung zulässt.

MEHR ZU EIN DING DER MÖGLICHKEIT
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ÜBER DAS HERRENHAUS SALDERATZEN
Adresse: Salderatzen 3, 29496 Waddeweitz
Quadratmeter des Grundstücks: knapp 3 Hektar

Der Ort Salderatzen: kleiner (Sackgassen)Rundling mit nur einem Zuweg und einem kleinen Fußweg aus dem Dorf raus. Salderatzen hatte in der Gründungszeit nur vier Höfe und ist nur durch einige Kossater, Anbauer am Dorfeingang ergänzt worden.

Historie (Nutzungsänderung im Zeitablauf):
- 1789 Hofstelle nach Großbrand neu errichtet.
- 1866 Zusammenlegung der Hofstelle 3 und 4 durch die Familie Steep
- 1900 wurde auf der ehemaligen Fläche der Hofstelle 3 und 4 das heutige Haupthaus mit Tanzsaal, Gastwirtschaft und „Fremdenzimmern“ errichtet
- 1982 wird der Hof als landwirtschaftlicher Betrieb gänzlich aufgegeben
- 1998 kaufte Heinrich Laing das Anwesen und baute es, in mehreren Bauabschnitten, zum heutigen Herrenhaus Salderatzen als Hotel und Veranstaltungsort aus.
- 1999 - 2002 Ausbau des Haupthauses zu Gästezimmern
- 2005 - 2006 Ausbau ehemaliger Schweinestall zu weiteren Gästezimmern
- 2009 - 2010 Ausbau des ehemaligen Hühnerstalls zu weiteren Gästezimmern

Das Anwesen heute (Gebäudeteile):
- ehemaligen Kuhstall, 750 m2 (bisher unbeheizt)
- Scheune (Kulturscheune) mit ehemaligem Hühnerstall, 900 m2 (teilweise unbeheizt)
- Schweinestall, 300 m2
- Haupthaus (2-stöckiges Fachwerkhaus), 400 m2

Unternehmensportraits